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Clemens Brentano

Clemens Brentano (Gemälde von Emilie Linder, um 1835)

Clemens Wenzeslaus Brentano de La Roche, geboren am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz); gestorben am 28.Juli 1842 in Aschaffenburg war ein deutscher Schriftsteller und neben Achim von Arnim der Hauptvertreter der Heidelberger Romantik.

Clemens Brentano wuchs in Frankfurt am Main und in Koblenz auf. Nach dem Scheitern einer kaufmännischen studierte er jeweils nur wenige Semester Bergwissenschaften, Jura und Medizin. Statt sein Studium abzuschließen, widmete er sich aber immer mehr seinen literarischen Neigungen. In Weimar lernte er u.a. Friedrich Schlegl und Ludwig Tieck kennen, von denen er sich zu ersten eigenen Werken anregen ließ. In dieser Zeit entstand auch sein Roman Godwi, in dem auch einige der bekanntesten Gedichte Brentanos enthalten sind (Zu Bacharach am Rheine).

Zu seinen zahlreichen Geschwistern gehörte u.a. Bettina Brentano, die später Achim von Arnim heiratete, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband. Mit ihm unternahm er 1802 eine Reise auf dem Rhein. Ob diese ihn auch nach Bacharach führte, oder ob er nur vorbei fuhr, ist nicht bekannt.

Lore Lay von Clemens Brentano

veröffentlicht 1801 in dem Roman "GODWI" erschien erstmals die Loreley als Name einer Frau in der Literatur und begründete damit den Lore-Lay-Mythos. (siehe auch Clemens Brentano, Reiseberichte)

Zu Bacharach am Rheine,
wohnt eine Zauberin,
Die war so schön und feine
Und riß viel Herzen hin,

Und brachte viel zuschanden
Der Männer rings umher,
Aus ihren Liebesbanden
War keine Rettung mehr.

Der Bischof ließ sie laden
Vor geistliche Gewalt,
Und mußte sie begnaden,
So schön war ihr` Gestalt.

Er sprach zu ihr gerühret,
„Du arme Lore Lay!
Wer hat dich dann verführet
Zu böser Zauberei?“

„Herr Bischof laßt mich sterben,
Ich bin des Lebens müd,
Weil jeder muß verderben
Der meine Augen sieht.

Ich kann dich nicht verdammen,
Bis du mir erst bekennt
Warum in diesen Flammen
Mein eigen Herz schon brennt.“

„Den Stab kann ich nicht brechen,
Du schöne Lore Lay!
Ich müßte dann zerbrechen,
Mein eigen Herz entzwei.“

„Herr Bischof mit mir Armen
Treibt nicht so bösen Spott,
Und bittet um Erbarmen
Für mich den lieben Gott,

Ich darf nicht länger leben,
Ich liebe keinen mehr,
Den Tod sollt ihr mir geben,
Darum kam ich zu euch her.

Mein Schatz hat mich betrogen,
hat sich von mir gewandt,
Ist fort von hier gezogen
Fort in ein fremdes Land.

Die Blicke sanft und wilde,
Die Wangen roth und weiß,
Die Worte still und milde,
Die ist mein Zauberkreis.

Ich selbst muß drinn verderben,
Das Herz thut mir so weh,
Vor Schmerzen möcht ich sterben,
Wenn ich mein Bildniß seh.

Drum laßt mein Recht mich finden,
Mich sterben, wie ein Christ,
Denn alles muß verschwinden
Weil er nicht bey mir ist.“

Drei Ritter läßt er holen:
„Bringt sie ins Kloster hin,
Geh Lore! - Gott befohlen
Sey dein berückter Sinn.

Du sollst ein Nönnchen werden,
Ein Nönnchen schwarz und weiß.
Bereite dich auf Erden
Zu deines Todes Reis.“

Zum Kloster sie nun ritten,
Die Ritter alle drei,
Und traurig in der Mitten
Die schöne Lore Lay.

„O Ritter laßt mich gehen,
Auf diesen Felsen groß,
Ich will noch einmal sehen,
Nach meines Lieben Schloß.

Ich will noch einmal sehen
Wol in den tiefen Rhein,
Und dann ins Kloster gehen,
Und Gottes jungfrau seyn.“

Der Felsen ist so jähe,
So steil ist seine Wand,
Doch klimmt sie in die Höhe,
Bis das sie oben stand.

Es binden die drei Ritter,
Die Rosse unten an,
Und klettern immer weiter,
Zum Felsen auch hinan.

Die Jungfrau sprach: „ da gehet
Ein Schifflein auf dem Rhein,
Der in dem Schifflein stehet,
Der soll mein Liebster seyn.

Mein Herz wird mir so munter,
Er muß mein Liebster seyn!“
Da lehnt sie sich hinunter
Und stürzet in den Rhein.

Die Ritter mußten sterben,
Sie konnten nicht hinab,
Sie mußten all verderben,
Ohn Priester und ohn Grab.

Wer hat dies Lied gesungen?
Ein Schiffer auf dem Rhein,
Und immer hats geklungen,
Vom dem drei Ritterstein: *)

Lore Lay
Lore Lay
Lore Lay
Als wären es meiner drei!

*) "Bei Bacharach steht dieser Felsen, Lore Lay genannt, alle vorbeifahrenden Schiffer rufen ihn an und freuen sich des vielfachen Echos."

(In:<Clemens Brentano:>Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter. Ein verwildeter Roman von Maria. Bremen bei Friedrich Wilmans 1801, S. 392-396.)