
"Wie ich nun da oben stand, die im reinsten Verhältnis geschwungenen hohen gotischen Bogen mit den reichen Fensterverzierungen sich in den Abendhimmel erhoben, die glatten Strebepfeiler und zierlichen Spitzsäulen in den eigentümlichen, gesättigten braunroten Ton ihres Gesteins, und so scharf, als wären sie eben aus der Hand des Steinmetzen gekommen, das späte Tageslicht widerschien, dahinter aber das gelbliche Mauerwerk des Stadtkirchenturms mit seinen rundbogigen Fenstern und hoher schiefergedeckter Turmspitze aufragte, als ich weiterhin über der tiefer unten liegenden Stadt mit ihren alten Warttürmen, und durch die Fensterbogen der Ruine den von hohen Bergesabhängen eingeschlossenen Rheinerblickte, und als nun das sonore, den morgenden Sonntag ankündende Abendläuten näher und ferner erklang, da ergriff mich ein Gefühl tiefer nachhaltiger Rührung;
ich gedachte an Dante: "Schon war´s die Stunde, welche den Fortschiffenden der Sehnsucht nach der Heimat wendet, und wehmütig das Herz bewegt an dem Tag, da sie süßen Freunden gesagt haben: Mit Gott ! – und die den neuen Pilgrim mit Liebesschmerz durchdringt, wenn er die Glocke von weitem hört, welche das Tageslicht zu beweinen scheint, das dahin stirbt" –
Gewiß, ich gestehe, ein so sonderbares, so neues und doch so heimatliches Gefühl nie gehabt zu haben ! Es war mir, als habe ich nun erst ein Vaterland, mein Vaterland gefunden."